Europa – meine große Heimat (Albert Camus)

Albert Camus, einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, verwendete diese Worte, um seine Vorstellung eines zukünftigen Europas abzurunden. Camus reiste als junger Mann, lange bevor er über Europa in vier Briefen schrieb, durch weite Teile unseres Kontinents und erlebte die Vielfalt, die Europa auch heute bietet. Er erlebte sie etwa in Italien, in Österreich, in Polen, in Deutschland und natürlich in Frankreich. Andere Sprachen zu lernen, neue Freunde aus benachbarten Ländern zu gewinnen, sich mit ihnen und ihrer Kultur auseinanderzusetzen und auszutauschen, führte bei ihm zu der Überzeugung, dass alle auf diesem Kontinent doch irgendwie zusammengehörten. Daher fiel es Camus auch leicht von ‚seiner Heimat‘ zu sprechen. Für viele von uns ist diese Vorstellung von Europa heute z.T. Wirklichkeit. Wir reisen oder wir arbeiten in Europa. Wir beziehen Waren aus unseren Nachbarländern. Wir lernen Menschen aus anderen Ländern kennen und deren Sprache gleich mit, gerade, als ob es schon immer so gewesen wäre.

Als Albert Camus seine Gedanken über Europa zu Papier brachte, gab es das heute als normal Empfundene nicht. Er erlebte als Franzose in seinem Land die Gewalt-herrschaft des deutschen Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg, eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte. Der Vorstellung der Überlegenheit von Nationen und Rassen setzte Camus jedoch die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung in einem friedlich zusammenwachsenden Europa entgegen. So sollte sein Europa aussehen. Erschien dies damals als ein entfernter, scheinbar unmöglich zu realisierendem Traum, so können wir heute Camus als einen Wegbereiter des europäischen Gedankens bezeichnen – eines Gedankens, der im Miteinander und in der Zusammenarbeit mehr sieht als im Gegeneinander.

Dieser europäische Gedanke hat sich bewährt. Das heutige Europa mit der seit 1993 bestehenden Europäischen Union und dem zugehörigen Binnenmarkt gilt als Erfolgs-modell. Es bescherte allen teilnehmenden Staaten Wohlstand und sorgte für die wohl längste Friedensperiode auf einem historisch von Kriegen gezeichneten Kontinent. Es ist quasi ein europäisches Haus mit vielen Bewohnern entstanden, die unter einem Dach wohnen. Auch wir Deutsche leben in diesem Haus. Ziel des Bundesnetzwerkes Europaschule e.V., zu welchem wir uns am Gymnasium Querfurt nunmehr zugehörig fühlen dürfen, ist es, vor allem junge Menschen zu erreichen. Wir wollen an unserer Schule durch Projekte, geladene Gäste, themenorientierten Unterricht usw. unser europäisches Haus mit seinem europäischen Gedanken kennenlernen. Von Albert Camus können wir dabei lernen. Er träumte unser Europa, als dies in weiter Ferne lag. Wir können das heutige Europa begreifen lernen, um das Europa von morgen zu träumen und mitzugestalten. Dazu sind alle interessierten und engagierten Schüler, Eltern und Lehrer eingeladen.

Euer Europa-Team am Gymnasium Querfurt

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