Wetterrückblick für den Dezember 2011 in Querfurt
Wo versteckt sich der Winter?

Der Dezember 2011 war ungewöhnlich mild, normal nass und recht trüb. Denn dem extrem trockenen November mit Hockdruckwetterlagen folgte ein von Tiefdruckgebieten beeinflusster Dezember. Diese riesigen Tiefdruckgebiete entstanden durch die großen Temperaturgegensätze über dem Nordatlantik, die über das nördliche Europa in Richtung Osten zogen. Diese kräftigen Westströmungen zeichneten sich aus durch starke Winde und auch Stürme (z.B die Orkantiefs Herbert und Joachim), die feuchte und milde Meeresluft zu uns transportierten. Am 16. Dezember wurden von unserer Wetterstation Windböen von bis zu 93km/h gemessen, das entspricht der Windstärke 10.
Es gab keinen richtigen Winter-/Eistag, denn an allen Tagen des Monats wurde die 0°-Marke überschritten. und in nur 5 Nächte wurde Frost gemessen. Deshalb feierten wir auch grüne Weihnachten und ebenfalls zu Silvester war es nur kühl, also ganz anders als der weiße Dezember 2010.
Das sind die bisher von unserer Wetterstation registrierten Dezemberdurchschnittswerte:

Dezember

Ø-Temperaturen in °C

Sonnenschein in Stunden

Niederschlag in l/m²

2008

1,0

35,7

32,2

2009

0,2

69,4

43,5

2010

-4,5

42,6

37,6

2011

4,4

39,5

41,5

Das Temperaturdiagramm haben wir dieses Mal im gleichen Maßstab angelegt wie das vom Dezember 2010. Sie können dadurch sehr gut erkennen, welche Temperaturbereiche im Dezember 2011 nicht abgedeckt wurden.
Nicht nur uns fehlen der Schnee und der Frost. Welche Auswirkungen hat solches Wetter auf die Pflanzen- und Tierwelt?
Im phänologischen Garten des Gymnasiums scheint die Forsythie zu erwachen, in unseren Gärten haben sich die ersten grünen Triebe der Perlhyazinthen und Tulpen durch die Erde gewühlt. Gänseblümchen blühen und die Haselnuss ärgert schon die Allergiker. In der Sonne leuchten die Felder des Winterweizens und der Wintergerste in einem frischen Grün. Wenn es noch einmal richtig trocken kalt wird, wird gerade das Getreide Probleme bekommen – die Pflanzen könnten absterben.
Einige Vögel, wie die Kohlmeise, haben auch schon mit den Balzgesängen begonnen. Andere sind gar nicht erst in den Süden geflogen. Der Kranich z.B. findet reichlich Futter, Regenwürmer und Insektenlarven.
Für unsere Insekten sind die frühlingshaften Temperaturen eher schlecht. Als Eier, Larve oder fertiges Insekt überleben sie einen kalten Winter, aber feucht-mildes Wetter vertragen sie nicht. Sie sind an Frost gewöhnt, der sie gegen die Krankheitserreger schützt. Die feuchte Milde fördert Pilze und diese könnten die Insekten befallen und erheblich schwächen. Daher gibt es nach einem warmen Winter nicht zwangsläufig eine Insektenplage. Die Stechmücken z.B. überwintern auf feuchten Wiesen. Ihnen ist es egal, ob Temperaturen von  +10° oder -15°C herrschen. Sie können sogar bei Temperaturen von -40°C überleben. Gefährlich wird es für die Insekten nur, wenn es zu starke Temperaturschwankungen gibt.
Auch schadet die Wärme nicht den Tieren, die Winterschlaf halten. Sie wachen auch in kälteren Wintern kurzzeitig auf, schlafen aber dann wieder ein. Aber sie verbrauchen durch die milderen Temperaturen weniger Energie.
Ein Problem könnte es im Frühjahr geben – die Zugvögel finden vielleicht weniger Brutplätze, da so viele Vögel zu Hause geblieben sind.
Beigefügt haben wir ebenfalls das neue „Klimadiagramm“ von Querfurt. Diesmal erfasst es 3 Jahre. Normalerweise benötigt man 30 Jahre um die notwendigen Mittelwerte darstellen zu können.

AG  Klimaforscher des Gymnasiums Querfurt, die den Winter noch nicht aufgegeben hat!