Wetterrückblick für den Januar 2013 in Querfurt und Vogel des Jahres 2013
Schneebringer und Schneefresser und die Bekassine

Der Januar 2013 war in Querfurt geprägt von zwei Wochen mit fast herrlichem Winterwetter, die umrahmt waren von frühlingshaften Phasen zu Beginn und zum Ende des Monats. In dem gesamten ersten Drittel strömte wolkenreiche und milde Nordseeluft in unseren Raum.
Dann folgte eine vierzehntägige Dauerfrostperiode mit 18 Frost- und 14 Eistagen. Von Frosttagen spricht man, wenn das Minimum der Lufttemperatur unter dem Gefrierpunkt liegt. An Eistagen dagegen liegt auch das Temperaturmaximum unter 0 °C. Querfurt lag unter einer geschlossenen Schneedecke. Zwar nicht so hoch, dass wir Ski laufen konnten, aber die Felder waren mit ausreichend Schnee bedeckt. Dieses Jahr müssen die Bauern keine Frostschäden für ihr Wintergetreide oder die anderen überwinternden Anbauprodukte befürchten. Hervorgerufen wurde dieses Wetter durch den Zustrom kalter Luft aus dem Osten, so dass die Niederschläge in Schnee übergingen. Dichte Wolken ließen die Nachttemperaturen nicht so stark fallen. Gegen Ende des Monats kam dann der „Schneefresser“ in Gestalt von „Jolle“ und „Lennart“, die milde, feuchte und sehr windreiche Atlantikluft mitbrachten, die sogar LKW-Anhänger umkippen ließ. Tiefdruckgebiete bekommen dieses Jahr männliche Vornamen. Die Hochdruckgebiete aus dem Osten hießen übrigens „Bianca“ und „Camelia“.
Die Sonnenscheindauer des Januars lag deutlich unter dem Durchschnitt der letzten vier Jahre, jedoch hielt sich die Niederschlagsmenge einigermaßen an das bisher gemessene Mittel.
Hier sehen Sie die Durchschnittsangaben der bisher gemessenen Januarwerte verglichen mit dem ersten Monat des Jahres 2013:

 

Ø – Wert 2008 bis 2012

Januar 2013

niedrigste Temperatur

-15,2 °C

-12,8°C

mittlere Temperatur

-0,9 °C

0,2 °C

höchste Temperatur

+9,5 °C

13,6 °C

Gesamtdauer Sonnenschein

61,9 h

37,2 h

Gesamtregenmenge

25,9 mm

28,9 mm

Die in unserer Region im Winter vorherrschenden Temperaturen sind natürlich für den diesjährigen Vogel des Jahres, die Bekassine, nicht akzeptabel. Im Moment verbringt diese Vogelart den rauen Winter in den angestammten Überwinterungsgebieten, die sehr weit verstreut sind. Einige überwintern in Westafrika, mussten zuvor die Sahara überqueren, andere an der Atlantikküste oder auf den Britischen Inseln. Die als „Meckervogel“ oder „Himmelsziege“ bezeichnete Bekassine ist nur etwa 20% der Deutschen bekannt. Einige Leute dachten, hinter dem Begriff verbirgt sich ein Kühlschrank, Obst, Gemüse, oder sogar ein Wasserfahrzeug.
Diese Wissenslücken liegen einfach daran, dass sie nur noch sehr selten in Mitteleuropa vorkommt. Das war aber nicht immer so. Noch vor einigen Jahrzehnten kamen Bekassinen in riesiger Anzahl vor, waren daher auch allgemein bekannt. Wie kam es, dass dieser laute, ja zum Teil sehr laute Vogel als kleiner Kämpfer heute um sein Überleben ringen muss? Das hängt mit seinem Lebensraum zusammen. Durch Trockenlegung und immer intensivere Bewirtschaftung von Grünland und Mooren, schrumpfte der benötigte Lebensraum extrem. So fehlt vielerorts ein abwechslungsreiches Feuchtgrünland, um ausreichend Würmer, Insekten, Larven sowie kleine Beeren und Sämereien als Nahrung zu finden und im Schutz unterschiedlich hoher Gräser und Binsen die Jungen aufzuziehen. Außerdem hat dieser kleine Vogel neben dem Menschen auch etliche andere Feinde, die besonders während der Jungenaufzucht gefährlich werden können. Dazu zählen zum Beispiel Marder, Füchse, Wiesel, Greifvögel, Möwen und Rabenvögel. Beeindruckend ist, dass bei zunehmender Gefahr die Bekassinenmutter ihr Junges im Nacken greift, es unter die Kehle und Brust klemmt, und einfach davon fliegt. Übrigens, der Name Bekassine bedeutet so viel wie kleine Schnepfe. Klein bedeutet: eine Größe von zirka 25 – 28 cm, von Schnabel- bis zur Schwanzspitze, wobei der lange, gerade und spitze Schnabel allein schon eine Länge von 7 cm hat. Das Durchschnittsgewicht des Vogels beträgt nur 120 g und die Lebensdauer rund 12 Jahre. Damit man den „Vogel des Jahres“ erkennt, muss man natürlich auch wissen, wie er aussieht. So ist der Rücken der Bekassine dunkelbraun und mit hellen Längsstreifen gemustert. Ihre Brust ist gestrichelt und ihr Bauch weiß. Flanken und Schwanz sind gebändert und die Augen dunkel.
Wirklich aufregend und spektakulär sind die Balzflüge des Bekassinenmännchens im Monat März. Steil fliegt es etwa 50 Meter in die Höhe, um dann mit zum Fächer gespreizten Schwanzfedern zur Seite zu kippen und sich in einen Sturzflug zu begeben. Der dabei durch die Schwanzfedern dringende Wind erzeugt einen Laut, der wie das Meckern einer Ziege klingt und die Weibchen stark beeindruckt. Je lauter desto besser. Daher rühren auch die oben genannten Bezeichnungen „ Meckervogel“ oder „Himmelsziege“.
Möge die Wahl zum „Vogel des Jahres 2013“ mithelfen, die Bekassine bekannter zu machen und noch mehr Menschen zu mobilisieren, feuchte Lebensräume zu erhalten sowie Wiesen und Weiden umweltgerecht zu nutzen.

AG Klimaforscher des Gymnasiums Querfurt