Wetterrückblick für den Juni 2013 in Querfurt
Zu viel oder zu wenig Regen? Und was braucht die Europäische Auster?

Der Juni 2013 wird wahrscheinlich in die Annalen der Wetteraufzeichnungen eingehen. Hochwasser, ein hochsommerliches Gastspiel, das in der Nacht zum kalendarischen Sommeranfang durch ein starkes Gewitter beendet wurde und ein verspäteter April bzw. verspätete Schafskälte zum Monatsende charakterisierten diesen Monat. Ständig wechselten Tief- und Hochdruckgebiete.
Zu Beginn des Monats war es frisch und die Hochs „Therese“ und „Uta“ schauten nur kurz bei uns vorbei. Zwischen dem 17. und 21. Juni bescherte uns heiße Luft aus der Libyschen Wüste Rekordtemperaturen mit sogar fast tropischen Nächten, deren niedrigste Lufttemperatur in zwei Metern Höhe gemessen nicht unter 20 °C fällt. Gekennzeichnet von heftigen Gewittern verbunden mit Starkregen und Windböen beendete eine markante Kaltfront das Sommerzwischenspiel.
Die Niederschlagsmenge war für Querfurt unterdurchschnittlich. Zu bemerken ist, dass in Mücheln im gleichen Zeitraum fast 20 mm mehr Niederschlag fiel. Der Deutsche Wetterdienst registrierte in Sachsen-Anhalt die bundesweit die niedrigste Niederschlagsmenge, trotzdem hatte unser Bundesland sehr unter den Fluten der Elbe und Saale zu leiden.

 

Ø - Wert 2008 bis 2012

Juni 2013

niedrigste Temperatur

6,3 °C

6,8 °C

mittlere Temperatur

16,8 °C

16,6 °C

höchste Temperatur

30,0 °C

33,5 °C

Gesamtdauer Sonnenschein

259 h

245,5 h

Gesamtregenmenge

61,2 mm

24,7 mm


Interessant für uns waren die Regenmengen die Ende Mai und Anfang Juni über ganz Deutschland gefallen sind. Es fielen insgesamt 22,76 Billionen Liter Niederschlag nach dem DWD. Das waren 3 Billionen Liter mehr als in der vergleichbaren Woche vom August 2002. Wetterextreme scheinen doch immer mehr die Erde zu beeinflussen.
Nun beginnen bald die lang ersehnten Ferien. Einige von uns werden als Urlauber an den Küsten von Nord- und Ostsee entlangwandern und nach Strandgut Ausschau halten. Dabei finden sie bestimmt auch Austernschalen, die in großer Anzahl an den Stränden der Nordsee vorkommen. Bei diesen Funden handelt es sich aber immer um Reste von Tieren, die mindestens schon Jahrzehnte bis Jahrtausende tot sind.
Denn schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Austernbänke in der Nordsee überfischt, da Austern bereits seit dem Mittelalter als Delikatesse galten. Traditionell wurden sie in Europa lebend geöffnet und roh geschlürft. In den 1920er-Jahren setzte noch ein Virus- und Parasitenbefall den Restbeständen zu und es kam zum Zusammenbruch der Population in der Deutschen Bucht. Der kalte Winter von 1929 führte dann schließlich zum Totalverlust.
Seit 1992 wurden wieder einige Tiere der Art Europäische Auster an der Nordsee gefunden. Es wird vermutet, dass diese Tiere von Zuchttieren französischer Farmen abstammen.
Die Europäische Auster steht übrigens in Deutschland auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Leider hat diese Art in Deutschland auch keine großen Chancen, wieder eine stabile Population zu entwickeln.
In den tiefer gelegenen Lebensräumen erfolgt oft eine Abfischung durch Schleppnetze und in den Flachwasserbereichen sind die Wintertemperaturen des Wassers zu hoch.
Große Probleme bereitet außerdem die eingeschleppte Pazifische Auster. Da diese Art keine natürlichen Feinde in der Nordsee hat, sich rascher fortpflanzt, dichter siedelt und schneller wächst, verdrängt sie einheimische Arten aus deren angestammten Lebensräumen. Zusätzlich begünstigt die globale Erwärmung, dass sich die Pazifische Auster explosionsartig in der Nordsee verbreiten konnte.
Mit der Europäischen Auster und deren Schicksal haben wir ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Einwirkungen des Menschen nachteilig und zum Teil nicht wieder umkehrbar auf die Natur auswirken.
Aber es lohnt sich, die Europäische Auster näher zu betrachten, denn sie hat viele interessante Besonderheiten. Sie lebt z.B. an der Atlantikküste zwischen Norwegen und Marokko und im Mittel- und Schwarzmeergebiet und wird 10 bis über 17 cm groß. Ihre Schalen sind rundlich bis eiförmig, wobei die untere Klappe gewölbt ist und die obere Klappe als flacher Deckel dient. Die Kalkschale älterer Austern, die immerhin bis zu 30 Jahre alt werden können, ist oft zentimeterdick.
Im Unterschied zu anderen Muscheln bilden ihre Schalen blättrige Schichten aus. Austern bleiben festgewachsen an ihrem Standort und filtrieren das Wasser ihrer Umgebung, bis zu 240 Litern pro Tag. Sehr auffällig ist der Lebenszyklus der Europäischen Auster, denn die Tiere wechseln ihr Geschlecht mehrfach im Leben. Nach dem Anheften sind die Jungtiere männlich und bleiben dies meist im ersten Jahr. Danach werden sie weiblich und wechseln das Geschlecht zweimal jährlich. Die Männchen geben Spermien in das freie Wasser ab, die Weibchen strudeln diese ein und im Körper des Weibchens erfolgt die Befruchtung der zwischen 500.000 und 2 Millionen Eier. Nach 8-10 Tagen werden winzige Schwimmlarven ins Wasser entlassen, die sich nach einigen Tagen auf dem Meeresboden niederlassen und zur Jungmuschel werden. Auch in diesem Entwicklungsstadium existieren viele Gefahren, z.B. durch die zahlreichen Fressfeinde, aber auch durch die zufällige Ansiedlung in ungeeigneten Lebensräumen.
Es ist schon erstaunlich, dass auch dieses Überangebot an Nachkommen die Gefährdung der Art nicht ausgleichen kann, aber es sprechen einfach zu viele Gründe dagegen.
Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Urlaub mit vielen interessanten Natureindrücken.

AG Klimaforscher des Gymnasiums Querfurt