Wetterrückblick für den Februar 2016 und Winter 2015/16 in Querfurt
Der Stieglitz sucht den richtigen Winter

Im Gegensatz zum letzten Jahr zeigte sich der Februar 2016 sehr niederschlagsreich, zu mild mit teilweise frühlingshaften Temperaturen und die Sonne schien unterdurchschnittlich. Verantwortlich dafür waren natürlich wieder einmal die „Frauen“, also die atlantischen Tiefdruckgebiete. Diese hatten im Februar das Sagen. Ihre Namen waren z. B. „Norkys“, „Quirina“, „Therese“ und „Xin“. Zumeist war deshalb das Wetter wechselhaft. Es fielen Regen und manchmal auch Schnee, der nur kurzzeitig liegen blieb.
Da auch für die Jahreszeit zu hohe Temperaturen über Skandinavien und Russland herrschten, führten auch die seltenen von dort nach Mitteleuropa gerichteten Strömungen bei uns nur zu geringer Kälte, wie Sie am Wetterdiagramm erkennen können.

 

Ø - Wert 2009 bis 2015

Februar 2016

niedrigste Temperatur

-11,3 °C

-4,5 °C

mittlere Temperatur

+0,5 °C

+3,6 °C

höchste Temperatur

+11,0 °C

+12,5 °C

Gesamtdauer Sonnenschein

89,6 h

72,3 h

Gesamtregenmenge

15,8 mm

51,3 mm


Der Winter 2015/16 war der viertwärmste seit 135 Jahren laut Deutschem Wetterdienst. Hauptanteil daran hatte vor allem der Dezember mit seinen zu „warmen“ Temperaturen. Dazu hatten wir eine positive Niederschlagsbilanz, aber dies lag am Februar, denn in den zwei Monaten zuvor war es zu trocken. Auch schien die Sonne etwas länger als normal. Deshalb war dieser Winter gnädig zu den Wildtieren. Sie fanden genügend Futter. Im Februar haben wir die ersten zurückkehrenden Wildgänse gesichtet (Vielleicht waren sie auch nicht weit im Süden?) und die Reiher fanden genügend Futter auf den Feldern. Ebenso blühte der Seidelbast im Januar, im Märzenbechertal bei Landgrafroden erblühten diese Frühlings-Knotenblumen schon Ende Februar in voller Pracht.

Winter

Ø-Temperatur

Sonnenscheindauer

Niederschlag

2009/10 – 2015/16

0,9 °C

194,2 h

69,5 mm

2015/16

3,8 °C

220,6 h

90,2 mm


Diesen Monat möchten wir Ihnen den Stieglitz vorstellen. Der auch „Distelfink“ genannte Vogel stammt aus der Familie der Finken. Er hat eine recht schlanke Gestalt und ist mit 12 cm einer der kleinsten Vögel unter den Finken. Wussten Sie, dass der Stieglitz nur 16g wiegt? Das Männchen ist etwas größer und besitzt noch intensivere Gefiederfarben. Der Kopf ist bunt mit rot, schwarz und weiß. Die Flügel weisen einen abgesetzten, breit leuchtenden gelben Streifen auf. Am Rücken ist der Vogel hellbraun, der Bürzel weiß. Der gegabelte Schwanz ist schwarz mit weißen Flecken und die Unterseite ist bräunlich. Die auffällige Färbung wird mit einer Sage erklärt. Als Gott allen Vögeln ihre Farben vergab, saß der Stieglitz bescheiden in der hintersten Ecke. Zum Schluss hatte Gott keine Farbe mehr und suchte aus jedem Topf noch einen kleinen Tupfer. Im Mittelalter wurde der Stieglitz auch als Talisman zum Schutz vor der Pest verwendet.
Der Vogel ist in ganz Europa, außer in Skandinavien und auf Island bis nach Mittelsibirien verbreitet. Sein größtes Verbreitungsgebiet liegt im warmen Mittelmeerraum. Er lebt in offenen, baumreichen Landschaften bis etwa 1300 m, bevorzugt in Obstgärten und auf großen Wildkraut- und Ruderalflächen mit verschiedenen Sträuchern. Auch an Waldrändern oder an Flussufern ist er zu finden.
Der Stieglitz gehört zu den Kurzstreckenziehern. Das sind Vögel, die bei Frost oder schlechtem Wetter nur ein Stück weiter ziehen, um auch weiterhin genügend Nahrung finden zu können. Im Winter sieht man ihn häufig zusammen mit Erlenzeisigen, Grün- oder Bergfinken.
Als Nahrung bevorzugt der Stieglitz verschiedene Sämereien von Gräsern, Kräutern, Bäumen und aus verschiedenen Distelarten. Während der Brut fressen sie zusätzlich Insekten und Blattläuse. Dabei stellt dich der Vogel ziemlich geschickt an. Er pickt die Nahrung vom Boden auf oder beugt sich dafür auf einem Ast weit vor. Zudem kann er kopfunter hängend picken und dünne Pflanzenstängel werden von unten angeflogen.
Im März beginnen die Vögel mit ihrer Balz. Männchen und Weibchen bleiben ein Leben lang zusammen. Von April bis Juli finden durchschnittlich 2 Bruten mit 4 bis 6 blau weißlichen Eiern mit roten Flecken statt. Meist leitet das Weibchen die Balz ein. Es nähert es sich mit Körperpendeln und Schnabelsenken dem Männchen. Im Gegensatz dazu legt das Männchen sein Gefieder an und zeigt durch Flügelspreizen die gelben Streifen. Das Nest wird aus kleinen Zweigen, Moos und Flechten gebaut und mit Haaren und Distelwolle ausgepolstert. Oft wählt der Vogel einen Nistplatz hoch in den Baumkronen oder in hohen Sträuchern.
Der Stieglitz gehört zu den beliebtesten Singvögeln in Europa. Doch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und die Bebauung der Brachflächen rauben ihm die Nahrungs- und Lebensgrundlagen.
Mit seiner Wahl zum Vogel des Jahres 2016 wollen der Naturschutzbund und der Landesbund für Vogelschutz den fortschreitenden Strukturverlust in unserer Kulturlandschaft ins Blickfeld rücken: Der Stieglitz ist ein Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrar- und Siedlungsräumen.

AG Klimaforscher des Gymnasiums Querfurt